Agenda Alternativ e.V. > Berichte > Bildungsreise 2010 nach Ungarn

Die jährliche Bildungsreise führte uns in diesem Jahr fünf Augusttage in ein Ferienhaus nahe Budapest. Am Montag startete unsere 15-köpfige Reisegruppe bereits am frühen Morgen mit zwei gemieteten Kleinbussen.

Dienstag fand eine Führung durch das jüdische Viertel in Budapest sowie der Besuch der Synagoge und des jüdischen Museums statt. In letzterem brachte uns eine ältere Frau in deutscher Sprache die jüdische Kultur näher. Da sie selbst die Peinigungen zu Zeiten des Dritten Reiches miterleben musste, waren ihre Ausführungen sehr emotional und authentisch. Abschließend erklärte Sie uns, dass sie sich immer über Jugendliche freue, die Interesse an Geschichte und speziell auch an der Aufklärung zur Thematik der Shoa haben.

Ziel war es, die Informationen der letztjährigen Reise in die Gedenkstätte Auschwitz (Polen) zu vertiefen, da bekanntlich über eine halbe Millionen Jüdinnen und Juden aus Ungarn und ganz speziell aus Budapest in das damalige Vernichtungslager deportiert wurden waren.

Am Mittwoch trafen wir uns mit Jugendlichen aus Ungarn, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren. Die von uns vorbereiteten Fragen wurden in einer angenehm deutsch-englisch gemixten Gesprächsrunde ausgetauscht. Wir sprachen über die momentanen Auswirkungen von Antisemitismus und Rassismus in der ungarischen Gesellschaft, den sogenannten “day of honour” und das Erstarken der faschistischen Partei “Jobbik”. Thematisiert wurden zudem die Formen des Protestes gegen rechte Bestrebungen in Ungarn und Deutschland. Auch die daraus folgende staatliche Repression wurde erörtert und wir mussten feststellen, dass ähnlich der Extremismustheorie in Deutschland auch in Ungarn eine haltlose Gleichsetzung der NS-Zeit mit der Zeit des Realsozialismus stattfindet.

Im Anschluss an das Gespräch wurde uns in einer kleinen Stadtführung ein ehemals besetztes Haus gezeigt. Desweiteren wurde uns einer der sechs in Budapest ansässigen Naziläden gezeigt, in dem es fast ausschließlich deutsche Nazimarken zu kaufen gab, wie z.B. Thor Steinar, Eric and Sons, Ansgar Aryan und andere.

Der Donnerstag wurde zum individuellen Vertiefen der Erkenntnisse und zum Erkunden der Stadt genutzt. Am Freitag stand neben ersten Reflektionen nur noch die Abreise an.

Wir danken allen Institutionen, die unsere Reise finanziell oder anderweitig unterstützt haben. Besonderer Dank gilt dem Fanprojekt Aue und der Alten Brauerei Annaberg wegen der Bereitstellung der Fahrzeuge.

Bilder:

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