Agenda Alternativ e.V. > Berichte > Besuch im ehemaligen Gefängnis auf dem Kaßberg (Chemnitz)

Am 12. Juli 2015 besichtigten Vereinsmitglieder und Interessierte das ehemalige Gefängnis auf dem Kaßberg in Chemnitz. Die Führung wurde vom Bürgerbüro des Abgeordneten Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, organisiert. Es nahmen 25 junge Menschen aus der Region Erzgebirge und Chemnitz teil.

Wir trafen uns vor der Führung im Umweltcentrum Chemnitz, um mehr über die Geschichte des Kaßbergs in den Zeiten der DDR zu erfahren. Volkmar Zschocke stellte außerdem den Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg e.V.“ vor, der sich dem Erhalt des Gefängnisses widmet und dessen Ausbau zu einem Gedenkort anstrebt.

Nach einem kurzen Spaziergang durch das Viertel lernten wir Christian Lieberwirth kennen, der uns durch die Gefängnisgebäude führen sollte. Begleitet wurde er vom Zeitzeugen Rudolph Sehm.

Die Geschichte des Gefängnisses hat viele Facetten. Dies liegt vor allem darin begründet, dass es in verschiedenen politischen Systemen genutzt wurde. Herr Lieberwirth ging auf jeden Zeitabschnitt kurz ein und zeigte auf, wie sich das Gebäude im Laufe der Zeit entwickelte.

Weiterhin erwartete uns ein bewegender Zeitzeugenbericht von Rudolph Sehm, der in der Haftanstalt 1947 unberechtigterweise festgehalten wurde. Wie viele andere junge Menschen in dieser Zeit wurde er verdächtigt, der „Werwolf“-Gruppierung anzugehören. Hier zeigte sich deutlich, mit welcher Willkür und unter welchen harten Bedingungen man Menschen eingesperrt hatte. Nicht zu unterschätzen sind schließlich auch die psychologischen Folgeschäden mit denen die Opfer der politischen Verfolgung den Rest ihres Lebens verbringen müssen.

Im Rahmen der Führung hatten wir die Gelegenheit, die verschiedenen Ausstellungen im Gefängnis anzuschauen. Es wurden unterschiedliche Aspekte wie das Leben im Gefängnis, aber auch Zwangsadoptionen in der DDR beleuchtet. Das inhaltliche Potential für die Nutzung als ein Museum in den Räumlichkeiten ist also eindeutig gegeben. Zudem sticht das Gefängnis auf dem Kaßberg noch besonders heraus, da von hier aus Gefangene der DDR in die Bundesrepublik Deutschland verkauft wurden. Dieser „moderne Menschenhandel“ ist in der jüngeren Geschichte einzigartig.

Zum Abschluss schauten wir uns noch die in der Nähe verlegten Stolpersteine, das Denkmal für die zerstörte Synagoge sowie die Stele für die Opfer der Zeit zwischen 1945 und 1989 an. Nach etwa zweieinhalb Stunden endete eine spannende und bewegende Führung, bei der alle Beteiligten mit viel neuem Wissen nach Hause gingen.

Wir danken Volkmar Zschocke und seiner Mitarbeiterin Frau Furtenbacher im Chemnitzer Bürgerbüro für die Unterstützung. Besonderer Dank gilt außerdem dem Zeitzeugen Herrn Sehm und dem Experten Herrn Lieberwirth für die Aufbereitung der Führung und die Beantwortung aller Fragen.

Fotos von der Führung im Kaßberg Gefängnis

2 Kommentare, RSS

  • Enkler Dieter

    sagt auf:
    8. März 2017 um 1:09

    Ihr Bericht hat mir sehr gut gefallen und ich danke Ihnen für die Information.Können sie mir die Kontaktdaten vom Kaßberggefängnis mitteilen?Telefon-Nr.?wäre sehr nett!Gruß Enkler

    • AA e.V.

      sagt auf:
      8. März 2017 um 9:38

      Lieber Herr Enkler, vielen Dank für die netten Worte! Am besten wenden Sie sich direkt an den Verein in Chemnitz, der sich für den Erhalt des Kaßberggefängnisses einsetzt: http://www.gedenkort-kassberg.de/
      Mit besten Grüßen!

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*