Agenda Alternativ e.V. > Berichte > Bildungsreise 2013 nach Polen

Am 4. August 2013 startete der Agenda Alternativ e.V. die fünfte Bildungsreise. Neun Jugendliche freuten sich auf sieben Tage Abwechslung, Bildung, Spaß und Gemeinschaft in Polen. Gemeinsam trafen wir uns in Schwarzenberg und traten die 7-stündige Autofahrt Richtung Breslau an. Nach Ankunft im Hostel liefen wir zu Fuß Richtung Zentrum, wo uns eine prächtige Villa erwartete, das Edith Stein Haus. Erwartungsvoll betraten wir den Hauseingang und wurden sofort freundlich empfangen und in die Räumlichkeiten geführt.

Die untere Etage spiegelte auf zahlreichen Informationstafel das bewegte Leben der 1891 in Breslau geborenen Jüdin wieder. Zu Beginn der Ausstellung bekamen wir Einblick in das Leben der Familie Stein. Schnell wurde klar, dass Edith eine fleißige und zielstrebige Schülerin und Studentin war. Ihr Weg führte sie durch mehrere Städte, in denen sie studierte, lebte, dem Kloster beitrat und ihre zahlreichen philosophischen und psychologischen Schriften verfasste.

Am 2. August 1942 wurde sie, gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa von der Gestapo verhaftet, in das Durchgangslager Westerbork gebracht und von dort aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Den Schwestern wurde auf Grund ihrer jüdischen Herkunft am 9. August 1942 in einer Gaskammer des Konzentrationslagers das Leben genommen. Am Abend folgte eine gemeinsame Reflexionsrunde unter freiem Himmel, direkt an der Oder, wobei das Erlebte diskutiert wurde.

Am nächsten Tag erwartete uns ein freundliche Stadtführer an der Rezeption unseres Hostels, um mit uns einen 3-stündiger Stadtrundgang durch Bresslau durchzuführen. Das Thema lautete „Nazis in Breslau“. Wir besichtigten die architektonisch wunderschön gestaltete Innenstadt, zahlreiche Kirchen sowie Regierungsgebäude der Stadt. Schon zu Beginn verwies uns der Referent auf die Miniaturzwerge, welche die Geschäfte, Straßen und Brücken zierten. Sie entstanden als Kritik gegen das kommunistische Regime in Polen und stellen heute sowohl eine Sehenswürdigkeit als auch künstlerische Elemente der Stadt dar. Der Rundgangs endete am Hotel Monopol, in welchem Hitler mehrfach residierte. Den Tag schlossen wir mit einem gemeinsamen Spieleabend ab.

Der nächste Tag begann mit der Fahrt nach Danzig. Nach langer Autofahrt bezogen wir das Hostel. Der Abend stand zur freien Verfügung, so teilte sich die Gruppe je nach individuellem Interesse. Eine Hälfte besichtigte die Innenstadt, die andere den nahe gelegenen Ostseestrand.

Der nächste Tag hielt eine Besichtigung der Stadt für uns bereit, welche zwei unserer Mitreisenden gestaltet hatten. Die Freude war groß als wir am Hafen ankamen und uns ein prächtiges Piratenschiff erwartete. Mit diesem „segelten“ wir zur Westerplatte über. Bekannt ist die Halbinsel durch den Angriff des Munitionslagers, welches sich dort befand. Dieser gilt als Beginn des 2. Weltkrieges. Noch immer sind verschiedene Gebäude, beispielsweise die Kaserne erhalten. Derzeit wird die Westerplatte restauriert und verschiedene Gebäude rekonstruiert. Zurück an Land liefen wir durch die Innenstadt Danzigs und besichtigten einige Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die Marienkirche und den Neptunbrunnen. Beim anschließenden Abendessen in einem veganen Restaurant im Zentrum konnten wir uns über das Gesehene austauschen.

Am fünften Tag unserer Reise wurde uns erneut das erschreckende Ausmaß des Holocaust bewusst. Wir besuchten die Gedenkstätte Stutthof. Das östlich der Weichselmündung gelegene Gelände wurde ursprünglich als Zivilgefangenen Lager erbaut und wenige Jahre später als Durchgangs- und Konzentrationslager genutzt. Ein Großteil der Gebäude sind noch erhalten, die Baracken, das Krematorium, sowie die 1944 erbaute Gaskammer wurden lediglich restauriert. Besonderes ergreifend empfanden wir die Besichtigung der Baracken, in denen die Menschen leben mussten. Die Luft stand förmlich bei über 40°C, man hatte das Gefühl kaum atmen zu können.

In dem Lager kamen zwischen 65000 und 85000 Menschen hauptsächlich auf Grund von Unterernährung und Infektionen ums Leben. Die Kranken wurden mit Phenolspritzen getötet. Die Gaskammer wurde einzig für die im Lager lebenden Juden genutzt. Der letzte Tag in Danzig unterlag der individuellen Planung. Der Großteil unserer Gruppe nutze diesen, um noch einmal die Innenstadt zu besichtigen und anschließend zum gemeinsamen Grillen an den Ostseestrand zu fahren. Am Lagerfeuer fanden wir uns zu einem Abschlussplenum zusammen, um die Erlebnisse und Empfindungen der Reise zu reflektieren. Am 10. August endete unsere Reise mit der Fahrt zurück ins Erzgebirge.

Wir bedanken uns herzlich bei der Doris-Wuppermann-Stiftung, deren finanzielle Unterstützung die Reise für alle realisierbar gemacht hat.

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